2018-05-03
Reconquista Internet: Jan Böhmermann hat „aus Versehen“ eine Bürgerrechtsbewegung ins Leben gerufen
Edit

Photo Credit: Melina Jana Harzer

Paula Lou Riebschläger für Shifted News

Was können wir gegen den Hass in sozialen Netzwerken tun? Heiko Maas’ Antwort heißt Netzwerkdurchsetzungsgesetz. Die Antwort von Reconquista Internet lautet Love-Trolling. Auf der re:publica äußern sich Rayk Anders, Patrick Stegemann und Sibel (Deckname) zu ihren Erfahrungen mit destruktiven, häufig rechtsextremen Trolls und Hetze im Internet.

Es scheint fast so, als hätten viele netzaffine Menschen auf das neue Kollektiv Reconquista Internet gewartet. Das einzige, was hier zählt ist ein gemeinsames Ziel: sich dem Hass im Internet konstruktiv entgegenzustellen. Immer mehr NutzerInnen kommentieren menschenverachtende Posts bei Twitter, Facebook und Co. Es geht ihnen um einen vernünftigen Dialog und um die Außenwahrnehmung internetbasierter, öffentlicher Debatten. Ideologische, rechtsextreme NutzerInnen werden die NetzaktivistInnen wohl kaum zum Umdenken bewegen. Vielmehr geht es um ein Signal: Hass wird nicht länger stillschweigend akzeptiert.

Bisher sind etwa 44.000 NutzerInnen auf dem dazugehörigen Discord-Server angemeldet, auf dem die interne Kommunikation und Organisation stattfindet. „Dass es so groß wird, hätte ich nicht gedacht“, bemerkt Böhmermann. Der Andrang ist so überwältigend, dass auch der Server regelmäßig zusammenbricht.

Ob sich Reconquista Internet langfristig als Bewegung etablieren kann, wird sich zeigen. Böhmermann hat die Initialzündung für eine neue humanistische Bewegung gegeben, die sich nicht nur gegen den Hass wendet, sondern vor allem für Vielfalt, Liebe und Vernunft eintritt. Im Idealfall lassen sich diese Werte auch in die Offline-Realität übertragen. So könnte aus dem „satirischen Projekt ohne Wirklichkeitsbezug“ echtes soziales Engagement erwachen.