“So viele Trolle in meinen DMs, ich hätte Herr der Ringe nachdrehen können”
Photo Credit: Gregor Fischer / CC BY-SA 2.0
Jessica Fowler für Shifted News
Pünktlich zum 50. Geburtstag der 68er-Bewegung trafen zum Eröffnungspanel der #rp18 Übermedien-Gründer Stefan Niggemeier, ehemalige PARTEI-Kanzlerkandidatin Samira El Quassil und “Philosophie Magazin"-Redakteur Nils Markwardt unter der Moderation von Friedemann Karig zusammen, um Themen wie die Neue Rechte, Populismus im Internet und die Verantwortung der Medien zu diskutieren.
Ausgangspunkt für die Diskussion war die allgemeine Auffassung, dass im Gegensatz zu 1968 ein weitaus niedrigeres revolutionäres Potential bei der heutigen Generation zu beobachten sei. Als mögliche Gründe hierfür artikulierte man gesellschaftliche Veränderungen, wie die Fragmentierung der Gesellschaft durch vermehrten Individualismus (El Quassil), eine subjektiv empfundene fehlende Dringlichkeit für Aktionismus (Niggemeier) sowie einen sich stetig ausbreitenden Religionsverlust, mit dem die “gesinnungstechnische Hardware” verloren gegangen sei (Markwardt).
Neben der politik- und sozialwissenschaftlichen Analyse fanden aber auch persönliche Anekdoten ihren Einzug in das Gespräch. So zum Beispiel als El Quassil davon berichtete, wie nach dem für die Alternative für Deutschland (AFD) positiven Ergebnis der vergangenen Bundestagswahl ihr Twitter-Postfach mit schadenfrohen bis hin zu bedrohlichen Nachrichten überflutet wurde. “Da waren so viele Trolle in den DMs, ich hätte Herr der Ringe nachdrehen können”, scherzte sie und sorgte damit für eine erfrischende Verschnaufpause zwischen dystopischen Begriffen wie “Liberalisierungsverlierer”, “Verbitterungsmilieus” und der “Leisestellung politisch relevanter Themen”.
Und auch abschließend wurden die ZuschauerInnen des einstündigen Panels mit einem positiven Ausblick in den Rest des Konferenztages entlassen. Was die SpeakerInnen denn trotz all der aktuellen Entwicklungen positiv stimme, fragte Karig in die Runde. “Ihr alle macht mich optimistisch”, antwortete ihm El Quassil, deutete auf das Publikum und blieb damit dem Motto der #rp18 treu: the Power of People.