2018-05-02

Die Marginalisierten aus dem Abseits holen

Melissa Perales

Photo Credit: Melina Jana Harzer

Diana Figueroa für Shifted News

Seit sie 1995 von Chicago nach Berlin gezogen ist, hat sich Melissa Perales einen Namen in der lokalen Musikszene gemacht. Zurzeit arbeitet sie als Event-Kuratorin und Musik-Promoterin und hat bereits drei wichtige Musikevents in Berlin mitbegründet: Das Torstraßen Festival, Music Pool Berlin und kürzlich die 'We Make Waves' Konferenz, ein Festival für Frauen, trans- und nicht-binäre Personen in der Musikindustrie, welches das Ziel hat, bestehende Communities in und außerhalb von Berlin zu verbinden. Während der re:publica 18 wird sich Melissa gemeinsam mit drei anderen MusikaktivistInnen dafür einsetzen, weiterhin sicherere, gemeinschaftsorientierte Orte und Plattformen für MusikerInnen und MusikliebhaberInnen gleichermaßen zu schaffen.

Wie ist deine Leidenschaft für die Musik entstanden und wie hat sie sich entwickelt, seit du in Berlin bist?

Ich bin durch den Film zur Musik gekommen, weil ich ja Film studiert habe. Irgendwann kam ich dann an den Punkt, wo mein Bezug zur Musik immer stärker wurde. Seit ich in Berlin bin und ein Teil der kreativen Szene wurde, ist mir klar geworden, dass all diese Bereiche miteinander verschmelzen. Für mich war es gar nicht so wichtig, ob es Film oder Musik war, solange ich etwas machen konnte, etwas erschaffen. So fand ich einen Ort, um Leute zu treffen und kreativ zu sein, ohne kommerziell gebunden zu sein. Ich dachte, “Wenn du eine Idee hast, kannst du das hier machen.”

Wie ist es als Entrepreneur in der Musikindustrie?

Ich nahm mein Wissen über Film und verknüpfte es mit meiner Liebe zur Musik - so hat alles begonnen. Während meiner zahlreichen Jobs, auf den Festivals und dem Ort für Musikerinnen und Musiker, den ich betreibe, Music Pool Berlin, entdeckte ich, dass es mir liegt, eine Mentorin für andere zu sein: Mit Menschen sprechen, sie coachen, Wissen nutzen und teilen, sie aufbauen. Ich wurde eine Art Musiktherapeutin. Auch bemerkte ich, wie die Frauen um mich herum weniger akzeptiert waren. Sie waren so talentiert wie die Männer aber ihnen wurde nicht so schnell Raum gegeben. Ich hatte das Gefühl, dass das etwas war, wo ich helfen konnte wegen meiner Position als Entscheiderin and den Orten und Festivals, die ich organisierte.

Dein Panel heißt “Spot an für die Marginalisierten!” - Warum ist Aktivismus innerhalb der Musikszene so wichtig?

Es geht immer darum, eine Debatte anzustoßen, aber die Arbeit muss weitergehen. Insbesondere da das Interesse der Leute, die auf der re:publica sind, vorhanden ist, und die Musikinteressierten. Über die Entwicklung des Themenkomplexes Music & Sovereignty freue mich mich sehr. Ich glaube nicht, dass ich meinen Job so machen könnte, ohne das Internet als Quelle für alles: Ob es nun darum geht, neue KünstlerInnen zu entdecken, mit Leuten zu kommunizieren, Informationen zu bekommen oder Zusammenarbeit zu ermöglichen. Ich begann, MySpace zu verwenden, so habe ich meine Karriere in der Musikbranche begonnen. Ich habe einfach angefangen, Leute zu kontaktieren. Mit dem Event auf der re:publica hoffe ich einfach nur, dass eine Debatte angeregt wird.

Hast Du einen Rat für alle, die eine Welle der Veränderung in ihrem eigenen Musikerdasein anstoßen wollen?

Bleib auf deinem eigenen Weg, bei dem an das du glaubst, und bleibe wirklich dran, egal, was sich dir in den Weg stellt. Es ist wie beim Lösen von Problemen: Man greift auf ein Netzwerk zurück, Kontakte, und unterstützt diejenigen, an die man glaubt. Finde deine Gemeinschaft, schaffe deine Gemeinschaft. Du musst so organisiert sein wie möglich, was manchmal wirklich schwierig ist. Bleib bei deinen Eisen, wenn jeder Tag anders ist. Helft einander, und suche die Menschen, denen du helfen kannst, denn das wird dir helfen.