2018-05-03

Isabel Ordoñez über den SHE* FIX! Feminist Youtube Channel

Bild

Photo Credit: Mutwakil Omran

Anna Ptasinska für Shifted News

YouTube Channel hier

She*Fix! Is Femme & Functioning!

Algorithmen, Erzählungen und Repräsentationen sind in der Web 2.0 Ära wichtiger denn je. Dennoch oder gerade deshalb ist es wichtig, sich zu fragen, wie viele dieser Erzählungen konstruiert wurden, um auf eine bestimmte demographische Gruppe oder Art von Person abzuzielen. Sobald diese sogenannten “echo chambers” (engl. Echokammern) in Aktion treten, entwickeln sich Fehlinterpretationen und ausgrenzender Content inmitten des  digitalen Raums, den die meisten von uns regelmäßig besuchen. Das Shifted-News-Team hat sich mit IndustriedesignerInnen/FeministInnen/ErbauerInnen von Dingen Isabel Ordoñez, die zusammen mit Janine Korduan und Natalie Pusch auf der diesjährigen #rp18 den She*Fix Workshop im Makerspace Outdoor leiten wird, zusammengesetzt.

Der Machokultur in der Tech-Industrie entgegenzuwirken, klingt nach einem Full-Time-Job. Erzähl uns doch ein wenig über dich und was dich dazu motiviert hat, dich für den Feminismus zu engagieren!

Wir tun nicht so, als  seien wir alleine für das Gesamtprodukt verantwortlich!

Ich bin Industriedesignerin und wohne hier in Berlin, wo ich vielen fantastischen Frauen aus der Technologieindustrie begegnet bin  und für diese Tutorials für das sogenannte ‘folk-building’ produziert habe. Das hat uns auch dazu inspiriert, gemeinsam verschiedene Projekte zu starten und finanzielle Unterstützung zu organisieren. Eines dieser Projekte war es, zusammen mit dem TINT Filmkollektiv und KanTe* auf der diesjährigen re:publica den feministischen YouTube Channel zu produzieren.

Das sind also alle eure Verbündeten im Kampf gegen das Patriarchat?

Wir entschlossen uns dazu, uns für die gemeinsame Arbeit zusammenzusetzen und finanzielle Unterstützung für diese Projekte zu organisieren, insbesondere für den She*Fix! Feminist YouTube Channel. Im Wesentlichen wollen wir eine alternative Content-Quelle für unterrepräsentierte Personen, die Youtube-Tutorials machen, bieten.  

Was ist denn problematisch an dem aktuellen Tutorial-Content?

Wenn du derzeit nach Online-Tutorials suchst, findest du normalerweise einen Haufen weißer Männer, die dir Dinge erkläre - was auch in Ordnung ist. Allerdings wäre es nett, wenn man hierbei außerdem auch Menschen mit anderen kulturellen Hintergründen begegnen könnte. Ich fände es beispielsweise super, wenn meine Großmutter mir erklären würde, wie ich meinen DVD-Player an den Fernseher anschließen kann.

Wie genau ist das She*fix Tutorial entstanden? Erzähl uns ein wenig darüber, was dich und dein Team zu dieser Idee inspiriert hat?

Wir alle lieben es, anderen Leuten Dinge zu zeigen und beizubringen. Wir persönlich stehen besonders auf die Open Source Tutorials, die einem zeigen, wie man Dinge repariert. Und das ist auch die Weise, wie sich unsere Welt längerfristig entwickeln wird: Wir werden mehr und mehr zu mündigen und emanzipierten Konsumenten. Wir sind eine Gruppe von Frauen in der Tech-Industrie, also entschlossen wir uns dazu, Tutorials zu produzieren. Es gibt durchaus bereits Tutorials von Frauen, allerdings sind diese immer noch in der Minderheit und noch dazu sehr verstreut, sodass man sie nur schwer auf einen Blick findet.

Wie hat sich das She*Fix!-Projekt im Laufe der Zeit entwickelt?

Eine der Frauen der She*Fix!-Gruppe kennt  Leute, die in die Organisation der re:publica involviert sind und zeitlich kamen wir genau richtig, um Vorschläge für Workshops einzureichen. Ursprünglich wollten wir einen dreitägigen ‘Hackerthon’ organisieren, während dem wir Teilnehmer dazu einladen wollten, Content zu generieren und den Film direkt im Workshop zu bearbeiten. Aber es hat nicht in das re:publica-Umfeld gepasst, weswegen wir uns dazu entschieden haben, das Ganze in ein einstündiges Format umzuwandeln, in der Hoffnung, dass wir in der kurzen Zeit einige der Leute dazu motivieren können, direkt vor Ort Content zu generieren und zu kreieren.

Was sind einige der Veränderungen, die du dir wünschen würdest?

Leider ist es eine Tatsache, dass bestimmte Dinge ihre Zeit brauchen. Ich persönlich war schockiert, zu erfahren, dass die Tech-Industrie so engstirnig ist. Ich war schon immer engagiert; Ich bin eine Industriedesignerin, ich mag Workshops, ich bin involviert in sogenannte Bike-Kitchens (engl. Fahrrad-Küchen). Ich liebe es, Dinge mit meinen Händen zu tun, und habe gehört, vor allem diese Woche, dass Konzepte wie Bike-Kitchens eventuell zu männlich oder zu unangenehm für Frauen seien. Ich habe nie verstanden, weshalb dies der Fall sein sollte. Meine erste Reaktion war aber: “Ich möchte keine Bike-Kitchen, die nur für Frauen zur Verfügung steht”, weil es nicht darum geht, in einer Blase zu wohnen sondern ein Miteinander zu schaffen. Uns wurde ständig diese Frage gestellt, aber wir versuchen, die Veränderung selbst herbeizuführen. Ich meine, ich bin hier und zusammen versuchen wir jegliche Ideen, die in diese Richtung gehen, zu unterstützen.

Welches Ergebnis können wir von eurem Workshop erwarten?

Ich würde mich freuen, einige neue Videos zu sehen, die wir auf unserem Channel veröffentlichen können. Es geht uns vor allem darum, dass möglichst viele Leute Interesse an der Sache gewinnen, wir eine Mailing-List zusammen bekommen und  Leute dazu motivieren können, Tutorials vor Ort zu kreieren. Das wäre super!