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Stil ist Macht: Wie der Tonfall im Journalismus die Zielgruppe definiert

Short thesis

Frauen interessieren sich für Make-Up und Mode, Männer interessieren sich für Autos und Fussball: zu einer Zeit, da Rollenbilder fluider werden, bilden Zeitschriften Stereotype noch knallhart ab. Mithilfe einer extra für diesen Zweck erstellten Software, haben wir die Tonalität der Themenklischees in Online-Magazinen analysiert und wollen schauen, wie sich aus einem neuen Umgang mit Formulierungen neue Themen und Zielgruppen im Mainstream ergeben können.

Description

Du bist dir sicher: Musikseiten wie Spex und Intro liest du gern, weil sie über die Musik informieren, die du magst. Was wäre, wenn du dich für Dillon und Tocotronic vor allem deshalb interessierst, weil der Ton von Spex und Intro sie dir schmackhaft machen? Nicht nur Inhalte bestimmen die Zielgruppe von Publikationen, der Ton macht oft vielmehr die Musik, als uns bewusst ist. Können Journalistinnen, Texter und Redakteurinnen auch abseits von inhaltlichen Debatten dazu beitragen, Stereotype zu durchbrechen und Wissen zugänglicher zu machen? Ich behaupte: Ja. Denn Stereotype werden durch zwei Aspekte massiv verstärkt: 

1. Während auf mancher Landingpage mit Überschriften wie "Zeitbombe im Motorraum" oder "Die extremsten SUV's" getitelt wird, lesen wir auf anderen Seiten Headlines wie "Vermeide diese Wörter - Und wirke automatisch selbstbewusster" oder "Die neue Lust auf's gesunde Abendbrot". Zeitbombe und Lust, extrem und selbstbewusster, hier bildet sich ein klarer Unterschied im Stil ab. Klischee-Formulierungen wirken genauso stark wie das generische Maskulinum und wirken auch abseits der binären Geschlechter-Idee. 

2. Die Persönlichkeit von Autoren und Redakteuren prägt so stark den Stil, dass bewusst Lesergruppen angesprochen, aber auch unbewusst ausgeschlossen werden. Diese Behauptung stelle ich aufgrund meiner persönlichen Erfahrungen in der Modebranche, im Marketing und im Journalismus auf. 

Mithilfe einer Analyse-Software, die eigens für diese Session entwickelt wird, untersuchen wir in den kommenden Monaten verschiedene journalistische Webseiten mit klassischen Männer- und Frauen-Schwerpunkten. Wir wollen herausfinden, von welchen Formulierungen und Stichwörtern ein stereotypischer Stil geprägt ist und welchen rückwirkenden Effekt dies auf stereotype Interessen haben kann. Im Idealfall lassen sich daraus Strategien entwickeln, diese Stereotype zu überwinden. 

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