2018-05-03
Wie man seinen Arbeitsplatz mithilfe von Unternehmensnetzwerken navigiert
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Photo Credit: Melina Jana Harzer

Diana Figueroa, Jessica Fowler, Melina Jana Harzer für Shifted News

Thomas Wagenknecht ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Forschungszentrum Informatik im Bereich Information Process Engineering (IPE) und Vorstandsmitglied der partou eG, ein Entwickler für intelligente und kollaborative Software. Er und seine Forschungspartnerin Shirley Ogolla sind die perfekte Ergänzung für re:publica’s Business and Innovation Track. Zusammen werden sie die TeilnehmerInnen ihres Talks ‘Surviving Social Media In The Workplace: A Kit’ durch die Vor- und Nachteile von Enterprise Social Networks/Unternehmensnetzwerken führen und erklären, wie diese im beruflichen Alltag zu handhaben sind.

Worum geht es in eurem Panel? Was können wir erwarten?

Wir werden eine Session darüber leiten, wie man heutzutage den Dschungel der Sozialen Medien am Arbeitsplatz überleben kann. Ich denke du hast schon mal was von Yammer oder Slack gehört. Diese Plattformen werden im Moment sowohl in Deutschland als auch auf der ganzen Welt immer häufiger genutzt. Shirley wird sich der Perspektive der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer widmen und den Menschen näher bringen, wie ein typischer Angestellter sich einen Überblick verschaffen kann. Ich werde die Perspektive der Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber übernehmen und versuchen zu veranschaulichen, wie man am besten Soziale Medien für seinen Arbeitsplatz nutzen kann. Unser Ziel ist es, eine Art Überlebens-Kit am Ende der Session vorzustellen. Dieses beinhaltet ein Herausarbeiten der Effekte, die Soziale Medien auf die Organisationskultur, den Informationsfluss und das Teilen von Wissen innerhalb einer Organisation haben können.

Was sind die Vorteile für ArbeitnehmerInnen sowohl als auch ArbeitgeberInnen, wenn sie diese Netzwerke nutzen?

Jeder Mensch wird täglich überflutet von E-mails, aber mit Unternehmensnetzwerken sollte man vermeintlich ohne E-mails auskommen. Sie sind als eine Art von Ein-Stop-Laden aufgebaut, sodass man darin alles erledigen kann. Man kann Dateien hochladen, andere einladen über Kalenderfunktionen, etc. Sie sind so aufgebaut, dass man seine Projekte einfacher managen kann und strenge Hierarchien wegfallen. Die Abläufe sind flexibel und nicht so streng geregelt.

Glaubst du, dass diese Enterprise Social Networks E-mails und Anrufe ersetzen werden?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass E-mails komplett ersetzt werden können, aber viel mehr, dass es einfach mehr Druck gibt verschiedene soziale Kanäle zu nutzen. Auf der anderen Seite berichten auch manche große Unternehmen in Deutschland, dass ihr Versuch Soziale Medien in ihren Büros zu nutzen, gescheitert ist. Angestellte waren damit oft überfordert und blieben dann bei E-Mails.

Wie werden sich diese Netzwerke weiterentwickeln?

Schwierig zu sagen. Yammer zum Beispiel ist jetzt beim 365 Microsoft Office Paket inklusive, also wird es sich wahrscheinlich weiter ausbreiten. Slack ist beim Marketing sehr aggressiv, was sich andere Plattformen auch abgeschaut haben, also glaube ich vorerst nicht, dass sie verschwinden werden. Ich denke die Menschen werden sich einfach daran gewöhnen.

Glaubst du, dass die Grenzen der Professionalität zwischen ArbeitgeberInnen und ArbeitnehmerInnen verschwimmen, wenn Firmen sich dazu entscheiden Plattformen wie Slack, Skype for Business oder Yammer zu benutzen?

Es kommt natürlich darauf an, wie es eine Firma aufbaut. Wenn man möchte, dass Angestellte professionell auf diesen Netzwerken kommunizieren, sollte man sie konkret danach fragen. Speziell Slack lädt zu einem eher lockeren Umgang ein es hat Features wie Giphy, die man ganz einfach in Unterhaltungen einfügen kann. Wenn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit der Chefetage kommunizieren, ist das schon eine gute Sache, denke ich.

Erzähl’ uns mehr zu Eurem Überlebens-Kit: gibt es spezielle Ratschläge, die ArbeitgeberInen/ArbeitnehmerInnen immer beachten sollten?

Wir haben sechs verschiedene Überlebens-Kits. Was die Arbeitnehmerseite betrifft, zum Beispiel, stellt Shirley die Methode "Deep Work" vor. Es geht darum, Ablenkungen während der Arbeitszeit zu minimieren und die Geräusche der Netzwerke auszublenden. Wir ermutigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zudem, immer miteinander zu sprechen, und zu versuchen eine Etikette oder einen Verhaltenskodex mit Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber zu etablieren, wenn es darum geht, wie man Soziale Medien nutzt. Ich selbst werde über die Organisationskultur sprechen. Diese Werkzeuge können Eckpfeiler einer optimierten Organisationskultur sein, aber man muss in der Umsetzung beachten, dass sie mehr sind als nur ein IT Projekt. Man muss die Personalabteilung und den Betriebsrat mit einbeziehen, und generell weiter denken. Aber wenn man sich die Zeit nimmt - und das zeigt auch unsere Forschung - verändern sich die Kommunikationsstrukturen wirklich. Sie werden flacher, und man kommuniziert mehr auf gleicher Ebene.